… ist ja eigentlich jedes Jahr. Und jedes Jahr macht die fünfte Jahreszeit in München mal mehr, mal weniger Spaß. Eigentlich muss man nicht viele Worte drüber verlieren, denn jeder, der mal auf einem Festival war, weiß, worum es geht. Nur sind die menschen anders, und die Musik rangiert irgendwo zwischen Schlager, Ballermann und Volksmusik. Ich finde letztere dann auch ganz angenehm in so einem Zelt. Nur das mit den sogenannten oder auch Partyschlagern könnte man ruhig mal überdenken. Tausende von Menschen mit ohne Rücksicht auf Verluste schlingern wie irre durch die Gegend, als ob es im ganzen Land kein Bier mehr gäbe.
Den richtigen Brainfuck gibt es allerdings, wenn man wie wir so ungefähr 250 Meter von der Theresienwiese wohnt. Was man da auf der Straße zu sehen bekommt ist wirklich durch kaum etwas zu ersetzen. Leute, die ihr großes Geschäft aus der Tür des Campingmobils in die Hecke am Gehsteig fallen lassen (Bei Tageslicht. Auf dem Parkstreifen. Und die Lindwurmstraße ist vierspurig und gut frequentiert.) Schlafende Betrunkene, teilweise auch im Garten hinterm Haus. Ich verstehe immer noch nicht, wie man seinen mit Hopfenkaltschale gestählten Astralkörper über eine mannshohe Mauer wuchten kann, wenn man eigentlich ob des Pegels nicht mehr nach Hause findet.
Morgens auf dem Weg ins Büro schlägt einem schon der säuerliche Geruch von Trunkenheit und Verwesung ins noch zugequollene Gesicht. Warum ist es in den U-Bahnstationen eigentlich so windig, der Gestank bleibt aber trotzdem drin? München ist eine der wenigen Städte, in denen es (eigentlich) nie so richtig stinkende Ecken gibt. Zur Wiesn ist das anders. Wenn ich mich morgens an der Fußgängerampel durch angeschickerte Horden trachtentragender Feierheinis und -Heinetten prügle, weiß ich plötzlich, warum Arbeit auch ganz schön sein kann. Jedenfalls bis ich mich am Wochenende wieder in die Lederhose zwänge. Der Wadln und der Party wegen.


